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MGA 728

Migration - Wanderungsbewegungen der Weltbevölkerung

Jedenfalls ist das der verbreitete Eindruck angesichts der täglichen Meldungen über Flucht und Migration. Im Jahr 1900 lebten nur rund 3 Prozent der Weltbevölkerung nicht im jeweiligen Geburtsland.

A ist falsch. Im Jahr 2014 waren rund 13 Prozent der Bevölkerung in Deutschland, Großbritannien und den USA nicht dort, sondern im Ausland geboren. Dieser Wert ist für viele entwickelte Volkswirtschaften typisch, liegt jedoch deutlich unter den Werten, wie sie innerhalb Europas etwa in der Schweiz (28 Prozent) oder Luxemburg (43 Prozent) erreicht werden. International rangieren die Vereinigten Arabischen Emirate (84 Prozent) und Katar (74 Prozent) an der Spitze. Aufgrund ihres geringeren Durchschnittsalters sind Migranten in der Erwerbsbevölkerung meistens stärker vertreten als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Neben ihrem Beitrag zum Wirtschaftsleben ihrer neuen Heimat sorgen die meisten von ihnen auch für mehr Wohlstand in ihren Herkunftsländern.

Mit einem Teil ihres Einkommens unterstützen sie oft ihre dort lebenden Familien. Nach Angaben der Weltbank addierte sich der Wert dieser Geldsendungen im Jahr 2014 auf stolze 435 Milliarden US-Dollar.

Dessen ungeachtet finden nach Angaben der Vereinten Nationen nur 40 Prozent des weltweiten Wanderungsgeschehens zwischen armen und reichen Staaten, also von Süden nach Norden, statt. Etwa ein Drittel der Migranten wandert innerhalb der jeweiligen Herkunftsregion auf der Südhalbkugel der Erde.

B ist falsch. Im Durchschnitt sind etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung der EU nicht in dem Land geboren, in dem sie gegenwärtig leben. Das schließt Migranten aus anderen EU-Staaten mit ein.

Es vergeht derzeit kaum ein Tag, an dem nicht neue Flüchtlinge Europa erreichen. Die Aufnahme dieser Menschen unter humanen und fairen Bedingungen zu organisieren, ist eine große Herausforderung und verlangt nach einer gemeinsamen Position aller EU-Staaten.

Doch die Vorbehalte gegen Zuwanderer und Flüchtlinge nehmen in Europa zu. Häufig geht dies auf Fehlinformationen zurück. So zeigen Umfragen in Frankreich, dass weite Teile der Bevölkerung einen Anteil von 28% oder mehr nicht im Land geborener Zuwanderer vermuten. In Wirklichkeit sind es nur zehn Prozent. In Großbritannien ist diese Kluft zwischen Fakten (13 Prozent Anteil nicht im Land Geborener) und öffentlicher Wahrnehmung (24 Prozent) kaum geringer. Das Gleiche gilt für Spanien. Dort beträgt der Ausländeranteil 13 Prozent – in der Öffentlichkeit wird ein doppelt so hoher Wert vermutet.

Die öffentliche Wahrnehmung liegt in den USA noch deutlicher daneben: 32 Prozent, also fast jeder dritte Einwohner sei nicht in Amerika geboren, wird in Umfragen gemutmaßt. Der tatsächliche Wert liegt 19 Prozentpunkte niedriger. Diese falschen Wahrnehmungen nehmen großen Einfluss auf die gesellschaftliche Akzeptanz von Migranten.

C ist richtig. Auch heute machen Migranten rund drei Prozent der Weltbevölkerung aus, so wie schon vor fast 120 Jahren. Seit gut 55 Jahren, nachdem die Wanderungsfolgen des Zweiten Weltkriegs abgeklungen sind, ist dieser Prozentsatz inzwischen schon stabil. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich, denn heute ist es bei weitem leichter, von einem Land in ein anderes zu reisen. Eine weitere Erklärung liegt im raschen weltweiten Bevölkerungswachstum. Die absolute Zahl der Migranten ist heute mehr als viermal so groß wie im Jahr 1900. Damals waren es etwa 50 Millionen, heute sind es rund 215 Millionen Migranten. Das entspricht etwa der Bevölkerungszahl in Brasilien, Nummer 5 unter den bevölkerungsreichsten Ländern der Erde.

Neben Krieg und Bürgerkrieg, Hunger und Armut, spielt heute eine andere Wanderungsursache vor allem unter besser qualifizierten Migranten eine wachsende Rolle: Die Kluft zwischen den Einkommensaussichten gleich qualifizierter Menschen ist zwischen Nord und Süd auch heute noch eklatant groß, während die Information darüber immer leichter verfügbar sind.

So können beispielsweise Krankenpflegekräfte in Australien das Siebenfache dessen verdienen, was sie in den Philippinen erhalten. Der Arbeitslohn von Buchhaltern ist in Großbritannien sechsmal so hoch wie in Sri Lanka — die unterschiedliche Kaufkraft schon eingerechnet.

D ist falsch. Japan ist unter den modernen Industriestaaten ein Sonderfall und offensichtlich kein starker Magnet für Zuwanderer. Nur 1Prozent der Landesbevölkerung ist im Ausland geboren. Annähernd so niedrige Werte weisen sonst nur noch Lateinamerika (1,4 Prozent) und Sub-Sahara-Afrika (1,8­ Prozent) auf. Beide Regionen verzeichnen dabei mehr Aus- als Einwanderungen.

Demgegenüber besteht die Bevölkerung aller OECD-Staaten im Durchschnitt zu elf Prozent aus im Ausland geborenen Zuwanderern. 40 Prozent dieser Migranten sind aus anderen OECD-Ländern zugezogen.

Mit eingerechnet sind hier auch Binnenwanderungen innerhalb der EU und die Migration zwischen Kanada und den USA. Die zweitgrößte Zuwanderergruppe bilden Migranten aus Lateinamerika (26 Prozent). Es folgen Asien (24 Prozent) und Afrika (10 Prozent). Übrigens: Deutsche Auswanderer sind stark am internationalen Wanderungsgeschehen beteiligt. Allein 1,3 Millionen Emigranten aus Deutschland leben in den USA.The Globalist.